Mythos Hammaburg – es geht weiter

Bevor ich in diesem Artikel auf das neueste Projekt des Archäologischen Museums Hamburg eingehe, verweise ich an dieser Stelle nochmals auf meinen Besuch zur Eröffnung der Sonderausstellung

                Mythos Hammaburg – Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs

im Archäologischen Museum Hamburg. Eine Ausstellung, die ich wirklich nur jedem empfehlen kann, der sich in irgendeiner Weise für Hamburg interessiert. In dieser Ausstellung wird das spannendste Kapitel der Stadtgeschichte aufgeschlagen; denn auf dem Domplatz konnte nach jahrelanger Forschungsarbeit der Standort der Hammaburg nachgewiesen werden. 

Ausstellungsplakat

Die Ausstellung ist durch den eingerichteten Rundgang logisch aufgebaut – von den Slawen über die Wikinger hin zu dem Zuzug von Ansgar sowie die weitere Entwicklung der Gegend. Auf modernste Weise wird die Entwicklung des Gebietes bis zur Gründung der „Keimzelle“ der Stadt dargestellt. Dies nicht nur durch die nackte Präsentation von Ausgrabungsgegenständen, sondern unter Zuhilfenahme modernster Technik und visueller Darstellungen. So wie beispielsweise direkt am Eingangsbereich: Der heutige Domplatz wird aus der Vogelperspektive gezeigt und mittels Photoshop (oder welchem Programm auch immer) die Hammaburg an ihrem Standort ins Bild eingefügt.

Foto 30.10.14 20 12 43

Die nun folgenden Bilder aus der Sonderausstellung geben natürlich nur einen kleinen Teil wider, aber ich denke, hieran kann man schon gut erkennen, dass sich ein Besuch lohnt.

Weitere Information zu der Ausstellung Mythos Hammaburg im Archäologischen Museum finden sich in meinem Artikel über die Ausstellungseröffnung. Da aber Archäologie nie „Stillstand“ bedeutet, die Geschichte der Altstadt mit den Forschungsergebnissen vom Domplatz aufgearbeitet wurde, sind jetzt die Archäologen dabei, den Ursprüngen der Neustadt nachzugehen.

Goethe Zitat_Grabung

 Dem Mythos auf den Grund gehen

Die Suche nach den Anfängen Hamburgs setzt sich jetzt, wo die legendäre Hammaburg in der Altstadt gefunden ist, in der Neustadt fort. In einer auf 12 Monate angelegten Grabungsphase am Hopfenmarkt finden seit Oktober 2014 Grabungen zu den Ursprüngen statt; denn hier genau am Hopfenmarkt begann vor fast 1000 Jahren die Entwicklung Hamburgs von der Burg zur Stadt. Das Grabungsfeld umfasst eine Fläche von 360 qm und enthält für Archäologen Spannendes: die aus dem Jahr 1061 stammende Ringwallbefestigung der „Neuen Burg“ sowie Funde der Hauptkirche St. Nikolai, die erstmals im Jahr 1195 urkundlich erwähnt wurde.

Natürlich habe ich mich auf den Weg gemacht, die Grabungsstätte zu erkunden, die aber mit einem Bauzaun geschützt ist – was mich aber nicht daran hinderte, mal durch den Zaun zu luschern und einen kleinen Blick auf die Grabungsstätte, die mit einem Zelt abgedeckt ist, und auf das Regal mit den Fundstücken zu werfen.

Bevor hier am Hopfenmarkt Höhe Hahntrapp eine Neubebauung stattfindet, sind die Archäologen am Zuge; schließlich gilt das Gebiet der Neuen Burg als die Keimzelle der 1188 gegründeten Hamburger Neustadt, mit der der Aufstieg Hamburgs als Hansestadt begann.

Netterweise aber hat mir das Archäologische Museum Hamburg zwei Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt – so sind wir nicht auf den Blick durch den Zaun angewiesen.

Luftaufnahme Grabungsstätte. Copyright Archäologisches Museum Hamburg

Luftaufnahme Grabungsstätte. Copyright Archäologisches Museum Hamburg

PS ich habe bei beiden Bildern das Plugin „Add Watermark“ deaktiviert, beiden Bildern nochmals explizit „marked as not watermarked“ zugewiesen und dennoch wird mein „copyright by kurzundknapp“ eingefügt – was natürlich Quatsch ist. Das Copyright liegt beim AMH. Ich kriege diesen Schriftzug einfach nicht raus.

Archäologische Grabungsstätte Am Hopfenmarkt. copyright Archäologisches Museum Hamburg

Archäologische Grabungsstätte Am Hopfenmarkt. copyright Archäologisches Museum Hamburg

Das Besondere an der Hauptkirche St. Nikolai

Wenn ich jetzt geschrieben habe, dass die Archäologen seit Oktober 2014 hier die Grabungen durchführen, dann stimmt das nicht so ganz. Sie sind schon seit August dabei, mussten aber zunächst den Bauschutt der Nachkriegsbebauung entfernen. Jetzt aber, wo sie auf die ersten Reste der alten, beim Großen Brand in Hamburg im Jahr 1842 zerstörten Nikolaikirche gestoßen sind, beginnen die Grabungen nach der Neuen Burg.

Die Nikolaikirche wurde zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert mehrfach baulich erweitert und ein Nebeneffekt der Grabungen am Ringwall ist natürlich, dass sich die Archäologen neue Erkenntnisse erhoffen, um die einzelnen Bauphasen und die Baugeschichte St. Nikolais fundierter datieren zu können.

Die Neue Burg

Unterhalb des Fundaments der Nikolaikirche befinden sich Reste des Ringwalls der „Neuen Burg“. Nach schriftlichen Überlieferungen soll diese im Jahr 1061 durch Herzog Ordulf errichtet worden sein. Durch die neuen Grabungen und die dann folgenden Untersuchungen mit neuester Technik (diesen Fachbegriff hierfür kann ich mir leider nicht merken) gehen die Forscher davon aus, diesen Wall nun aufs Jahr genau datieren zu können, um so auch Antworten zum exakten Gründungsdatum und der früheren Nutzung der Burg zu finden. Außerdem ist ja überliefert, dass es zu der Zeit zahlreiche Überfälle der Slawen gegeben hat – haben diese in der Burg Spuren hinterlassen? Wurde die Burg nach diesen Überfällen wieder neu errichtet? Wurde die Burg danach weiter genutzt? All das kann man unter Einsatz neuester Techniken herausfinden. Und das ist auch das, was ich hieran so enorm spannend finde.

Mich fasziniert es, wie man an uralten Steinbrocken oder kleinsten Scherben erkennen kann, aus welchem Jahr genau diese stammen, um dann, angereichert durch historisch belegbare Fakten, hieraus eine interessante Geschichte zu erzählen. So war es bei der Austellung über Napoléons Silberschatz und so ist es bei der Sonderausstellung Mythos Hammaburg.

Den Archäologen über die Schulter schauen

Wer das Ganze jetzt genauso spannend findet wie ich, der hat die Möglichkeit, an Führungen zum aktuellen Stand der Ausgrabungen teilzunehmen, um sich so über das Grabungsgeschehen zu informieren und um zu erfahren, wie genau so eine Ausgrabung funktioniert.

Das Archäologische Museum bietet hierzu bis voraussichtlich Juli 2015 jeden Donnerstag (außer an Feier- und Schließtagen) von 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr kostenlose Führungen an. Allerdings ist die Teilnehmerzahl begrenzt und die Besucher sollen ja auch nicht den Forschern alles zertrampeln und daher ist hierfür eine verbindliche telefonische Anmeldung erforderlich. Kontakt: Dienstag bis Sonntag 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr unter der Nummer 040 42871-2497. Treffpunkt für die Führungen ist an der Ecke Hopfenmarkt/Hantrapp; die nächstgelegene U-Bahnstation ist die U3 Rödingsmarkt. Aber bitte dran denken: das Betreten der Baustelle erfolgt auf eigene Gefahr, es ist festes Schuhwerk erforderlich und die Baustelle ist nicht barrierefrei.

Wenn Ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid und in Hamburg mal ein Museum aufsuchen wollt, so schaut Euch doch mal den Artikel der @typischhamburch an, die die aus ihrer Sicht schönsten 10 Museen vorgestellt hat. Sogar einzelne mit Videos.

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7 Gedanken zu „Mythos Hammaburg – es geht weiter

  1. Dieter Waldemann

    Hallo,
    ich möchte gern provozieren. Wen ? Eigendlich so ziemlich alle.
    Womit?
    Hiermit: Man kann garnichts bestimmen wie alt etwas ist oder wann was geschehen ist.
    Warum : Weil unser Kalender und die Zeitrechnung garnicht stimmt
    Fange an zu forschen, wann war das Jahr Null.
    Wie sollte es auch ein Jahr Null geben wenn es damals sowieso keine Null gab.
    Wie oft wurde der Kalender, oder die Zeitrechnung immer wieder falsch geändert ??
    Ärgert euch nicht über meinem Beitrag – jeder darf glauben was er will, ich habe jedenfall gestern den
    Weihnachtmann gesehen – also gibt es auch einen.

    Antworten
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