Wo alles begann … Mythos Hammaburg

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Die Hammaburg – im wahrsten Sinne des Wortes ein Mythos; denn es ranken sich verschiedenste Interpretationen und bisherige Forschungsergebnisse um diese als Keimzelle Hamburgs legendäre Burg, die angeblich von Erzbischof Ansgar gegründet wurde, der damit auch als „der Gründer Hamburgs“ benannt wird.

Zum Glück aber geht die Forschung munter weiter und so hatten die im Jahr 2006 beendeten Grabungen zwar keine Burg entdecken können, aber die Zusammenführung der Forschungsergebnisse der Grabungen aus den fünfziger und achtziger Jahren mit den neueren Grabungen und unter Zuhilfenahme neuester Techniken und Anwendungsmöglichkeiten konnte nun Spektakuläres präsentiert werden. 

Ausstellungsplakat

Robert-Langdon-gleich konnte jetzt nämlich das Rätsel um die Hammaburg geknackt werden, so dass ein großer Teil frühhamburgischer Geschichte nun neu geschrieben wurde: es gab nicht nur die eine Hammaburg, sondern genau genommen sind es drei Burgen. Gestern Abend fand die offizielle Eröffnungsfeier des Archäologischen Museums Hamburg (AMH) zur Ausstellung „Mythos Hammaburg – Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs“ statt und ich hatte die Ehre, teilnehmen zu dürfen.

Ort der Eröffnungsfeier und –reden war die neben dem Museum befindliche Katholische Pfarrkirche St. Maria – St. Joseph; aufgrund der historischen Bedeutung Erzbischofs Ansgars natürlich der perfekte Ort. Mal abgesehen davon, dass die rund 1.000 eingeladenen Gäste (ich bin schwer im schätzen, aber da jeder Platz in der Kirche besetzt war und viele Besucher nur Stehplätze ergattern konnten, gehe ich mal von dieser Besuchermenge aus), auch nicht in der Lobby des Museums Platz gefunden hätte.

Eröffnung Erster Bürgermeister Olaf Scholz Eröffnungsrede Olaf Scholz

Einen besseren Laudator für die Eröffnung als Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz hätte das AMH natürlich nicht gewinnen können – schließlich ist Olaf Scholz meines Wissens nach Harburger. Seine Rede war sehr launig und hat so manches Mal zum Schmunzeln geführt – nahm man es doch früher nicht so genau mit irgendwelchen Urkunden. Man war auf Hamburger Seite stets auf seinen Vorteil bedacht (ich erinnere nur an die „Ausbootung“ Harburgs – siehe mein Bericht über die Eisenbahnbrücke Süderelbe).

Nach Olaf Scholz war der Direktor des Archäologischen Museums Professor Dr. Rainer-Maria Weiss an der Reihe, uns Besuchern ein paar Details zu den Ausgabungen und Forschungsergebnissen zu präsentieren – und vor allem auch den Ausstellungskatalog: auf 500 Seiten wird reich bebildert die Forschungsarbeit präsentiert.

Eröffnungsrede Prof. Weiß

Prof. Weiß mit Ausstellungskatalog

Ausstellungskatalog

Nach den Reden ging’s rüber ins Museum, aber glücklicherweise teilte sich die Besuchermasse auf: während die einen bereits in die Ausstellung gingen, hielten sich die anderen in der immer noch überfüllten Lobby auf, um bei Speis und Trank vertiefende Gespräche zu führen. Irgendwann hatte ich genug vom Small Talk – ich wollte einfach nur rein, den Mythos Hammaburg entdecken und kann auch bei dieser Ausstellung meinen positiven Eindruck, den ich ja bereits bei der Ausstellung über Napoleons Silberschatz gewinnen konnte, wiederholen:

Dem Team rund um den Ausstellungsleiter und Kurator ist wirklich ein großer Wurf gelungen. Vor allem für Kulturbanausen wie mich ist die Ausstellung optimal, weil sie einfach modern aufgebaut, mit modernster Technik angereichert, visuell perfekt dargestellt und vor allem durch den vorgegebenen Rundgang logisch aufgebaut ist.

Fasziniert hat mich vor allem die Fotomontage des Domplatzes: es zeigt das heutige Hamburg aus der Luftperspektive mit der Burg – wo sie damals stand. Der Domplatz ist heutzutage auch nicht bebaut, sondern eine große Grünfläche, so dass sie für diese Fotomontage nicht irgendwelche Bauten wegretuschieren mussten.

Foto 30.10.14 20 12 43

Simulation Hammaburg

Mit den nachfolgenden Bildern gebe ich jetzt nicht die Ausstellung chronologisch wider; denn schließlich sollen interessierte Besucher ja nicht die Ausstellung hier im Blog ansehen, sondern vor Ort; ich gehe nur auf einzelne Dinge ein, die mich besonders begeistert haben.

Was ich toll finde: wenn sie bei den Ausgrabungen kleinste Scherben gefunden haben, dann werden nicht nur diese in den Vitrinen gezeigt und der Besucher muss sich vorstellen, wie dann wohl der dazugehörige Krug ausgesehen haben mag, sondern es wurde dann das entsprechende Artefakt gezeigt, dass sie sich für diese Ausstellung aus anderen Museen (oder wer weiß, woher) ausgeliehen haben.

Hamburger Stadtwappen

Oder das Beispiel Bücher: in Vitrinen werden auch uralte Bücher gezeigt; die sind natürlich viel zu kostbar, als dass jeder Besucher darin rumblättern kann. Also hilft man sich, in dem vor der Vitrine ein Tablet-PC mit dem eBook dieses Buches steht. Toll, einfach toll.

Vor allem aber die Visualisierung: wie kann es ausgesehen haben, wo stand welche Burg, das ist das, was mich gefesselt hat. Ich kann mehr mit geographischen Darstellungen anfangen als mit kleinsten Scherben; auch wenn der Wert einer ausgegrabenen Scherbe unschätzbar hoch ist; aber für mich ist es immer besser, mir etwas visualisiert darzustellen.

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Der Ausstellungstext auf der Homepage des AMH liest sich wie folgt:

Im Fokus steht die Zeitspanne vom 8. bis 12. Jahrhundert. Die Ausstellung beleuchtet die ersten Siedlungsspuren Hamburgs, die erste Nennung der Hammaburg in den frühen Archivalien, das Leben und Wirken des Missionars Ansgar sowie den Wikingerüberfall von 845. Es werden wichtige Grabungsfunde zu sehen sein, die bisher noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Leihgaben aus anderen Museen, Archiven und Kirchen ergänzen die Präsentation mit spektakulären Objekten

Ich persönlich bin wirklich begeistert und kann mir sehr gut vorstellen, mir die Ausstellung auch noch einmal anzusehen, ohne knapp 1000 anderer Menschen.

Information zur Ausstellung:

Der Eintritt zur Ausstellung kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Besucher unter 17 Jahren ist der Eintritt frei. Geöffnet ist die Ausstellung Dienstag bis Sonntag jeweils von 10:00 bis 17:00 Uhr. Dauer der Ausstellung: vom 31. Oktober 2014 bis zum 26. April 2015.

Das AMH befindet sich am Museumsplatz 2 in 21073 Hamburg und ist perfekt mit der S-Bahn zu erreichen: S3 / S31 bis Harburg-Rathaus, dort den Ausgang mit der Beschilderung „Museum“ folgen und nach ca. 5 Minuten Fußweg befindet man sich direkt vor dem Museum.

For my international readers a short summary:

Yesterday I was at an exhibition: „Myth Hammaburg“ shows the beginning of the town. The first castle, the first village life. Until now it was assumed that Hamburg (former name Hammaburg) was founded by Archbishop Ansgar in around year 840. Now it has been determined based on current research that first settlements took place much earlier. 

Emperor Louis the Pious had sent the archbishop Ansgar to Hamburg in order to evangelise Scandinavia and so Ansgar’s residence was a small settlement next to a castle built by Bernhard. This exhibition now throws a new light on Hamburg’s early history because up to now it has been said that this castle has been built by Ansgar – but using advances technology to date wooden remains the director of the Archaeological Museum, Prof. Weiss and his team were able to determine their exact date and also the age of the pottery pieces found at the excavations. By this new technology the results allowed them to modify prior research results.

I can highly recommend this exhibition, it shows on most modern way the history of Hamburg from 8th until the 12th century.

Please click ➔ here for further information about the Archaeological Museum in English.

 

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4 Gedanken zu „Wo alles begann … Mythos Hammaburg

  1. Kirsten

    Seit gestern Abend warte ich auf deinen Bericht über die Ausstellung! Auf Twitter und Instagram kamen ja schon einige Kostproben!
    Und das Warten hat sich gelohnt!!!
    Auf jedem Fall werde ich mich auf die Spuren unserer Hammaburg machen.
    Hast du dir den Katalog dazu gekauft? Lohnen sich die 30€?
    Liebe Grüße Kirsten

    Antworten
    1. kurzundknapp Artikelautor

      Danke, liebe Kirsten. Die Ausstellung solltest du dir wirklich ansehen; ich bin mir sicher, dir gefällt sie genauso wie mir. Den Katalog habe ich mir nicht gekauft, weil ich schlicht und einfach hier zu Hause keinen Platz dafür habe. Es fehlt das passende Regal, einen dekorativen leeren Tisch, auf dem der Katalog sich machen würde, haben wir nicht …

      Liebe Grüße
      Sabine

      Antworten
  2. Pingback: #AMH_Mythos – Wo alles begann. Hamburg Geschichte neu entdeckt. | Kulturgroupie

  3. Pingback: Nachtrag AMH 2.0 | Blog AMH

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